Am 3. November 2011 durfte die SVP Hettlingen Prof. Dr. Jérôme Endrass in Hettlingen zu einem Vortrag begrüssen. Jérôme Endrass sprang kurzfristig für Prof. Dr. Frank Urbaniok ein, welcher wegen eines Bandscheibenvorfalls absagen musste. Wie Frank Urbaniok ist auch Jérôme Endrass im Psychiatrisch-Psychologischen Dienst (PPD) des Amts für Justizvollzug des Kantons Zürich tätig. Sein Forschungsschwerpunkt liegt in der Evaluation und Entwicklung von Verfahren zur Schätzung des Rückfallrisikos bei Gewalt- und Sexualstraftätern und in der Wirksamkeitsüberprüfung deliktorientierter Therapien. Am Vortrag gab er den Anwesenden zum Thema „Straftäter – was sind das für Menschen, was können wir tun?“ Einblick in seine Forschungstätigkeit.

Als Erstes zeigte Herr Endrass mittels Statistiken auf, was für Menschen Gewalt- und Sexualstraftäter sind. So sind Gewalt- und Sexualstraftäter in der Regel beruflich integrierte Männer, weisen kein Ausbildungsdefizit auf und sind selten verheiratet. „Verheiratet sein tut Männern gut“, liess uns Herr Endrass mit etwas Humor wissen. Relativiert wurde auch die gängige Meinung, Sexualstraftäter seien meistens in schlechten Familienverhältnissen aufgewachsen und selber Opfer gewesen; dem ist nicht so.
In einem zweiten Teil ging Jérôme Endrass auf die Frage ein, was wir tun können. Er umriss verschiedene Therapieansätze wie, den Täter mit seiner Tat zu konfrontieren, ihm aufzuzeigen, dass er allein für sein Handeln verantwortlich ist und er niemand anderem die Schuld geben könne. Zudem seien den Tätern auch Kompensationsmöglichkeiten aufzuzeigen. In Bezug auf „Neigungspädophile“ hielt er fest, dass mittels triebdämpfenden Mitteln lediglich die Intensität des Sexualtriebes vermindert werde, nicht aber die sexuelle Ausrichtung des Täters. Beziehungs- und Sexualitätswünsche würden sich bei einem „Neigungspädophilen“ selbst dann noch auf Kinder richten.

Zum Schluss umriss Herr Endrass kurz die Problematik der im Internet vorhandenen legalen und illegalen Pornographie, welche vor allem auch für Jugendliche frei zugänglich sind. Diese Thematik liesse sich in einem weiteren Vortrag vertiefen.

Artikel Landbote vom 5. November 2011

Artikel Zürcher Bote